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Arbeit und Elend

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WORKING POOR | SCHATTENBERICHT | EUROSTAT


ARBEIT UND ELEND

Jeder Fünfte in EU von Armut bedroht | Erwerbsarmut in der BRD hat sich im letzten Jahrzehnt verdoppelt; Hälfte der Haushalte in Ballungszentren hat Anspruch auf Sozialwohnung.

Eurostat-Erhebung | Jeder Fünfte ist von Existenzsorgen bedroht. Gestiegen ist das Armutsrisiko vor allem in Griechenland und Italien. Im Jahr 2017 sind 22,5 Prozent aller EU-Bürger von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht gewesen.

In Deutschland waren 2017 rund 15,5 Millionen Menschen und somit fast jeder fünfte Einwohner von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Damit liegt das Armutsrisiko mit 19 Prozent knapp unter dem EU-Durchschnitt.

Schattenbericht (NAK) | Aspekte der Armut in Deutschland: Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit, Kinder-/ & Frauenarmut, Erwerbs-/ & Erwerbslosen­armut, Armut im Alter – aber auch indirekte Folgen, etwa für die Gesundheit von Empfängern von Sozialleistungen wie Hartz-IV und Asylbewerbern.

Obwohl die Wirtschaft "brummt", sind mehr als 15 Prozent der Bevölkerung arm. Die Erwerbslosigkeit geht seit zwar Jahren zurück, nicht aber die Zahl der Armen. Trotz des seit Jahren propagierten Fachkräftemangels stecken immer mehr Erwerbstätige in der Armut fest. Für viele Menschen, die einen Job haben, ist Armut bittere Realität.

In den vergangenen zehn Jahren verdoppelte sich die Erwerbsarmut in Deutschland. Der Anteil der working poor stieg zwischen 2004 und 2014 auf fast 10 Prozent. Besonders problematisch sind die Minijobs, die derzeit rund 7,5 Millionen Menschen verrichten.

Diese ermöglichten in der Regel keinen Einstieg in gute Arbeit, sondern sind berufliche Sackgassen mit mangelnden Perspektiven, niedrigen Einkommen und meist schlechten Arbeitsbedingungen. Insbesondere alleinerziehende Frauen sind betroffen. Wir fordern eine existenzsichernde, einkommensabhängige Kindergrundsicherung. Darüber hinaus braucht es eine stärkere Tarifbindung, einen wirkungsvollen Mindestlohn von mindestens rund 12,70 Euro um auch im Alter vor Armut zu schützen.

Sources: junge welt | nak


 


Discussion 2 Comments

  • Irie Zen 30th Oct 2018

    Wenige haben viel



    Zumindest eine Sache hat sich in der Bundesrepublik in den vergangenen Jahrzehnten prächtig entwickelt: die Ungleichheit der Einkommen und Vermögen. Die neueste Analyse dieses oft mehr empfundenen als sachlich dokumentierten Tatbestandes – noch vor wenigen Jahren wurden fast ausschließlich Daten zu den Einkommen und hier überwiegend auch nur zu den niedrigen und mittleren wissenschaftlich ausgewertet – stammt von Dorothee Spannagel vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung und Anita Tiefensee vom Paritätischen Gesamtverband. Ihr Aufsatz »Ungleichheit der Einkommen und Vermögen in Deutschland« wurde soeben in den Mitteilungen des WSI veröffentlicht. Die beiden Autorinnen haben unter anderem Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP) ausgewertet. Das SOEP ist eine seit 1984 jährlich wiederholte repräsentative Befragung von etwa 12.000 Haushalten in der Bundesrepublik.

    Spannagel/Tiefensee beschreiben die Entwicklung der Einkommensverteilung seit 1990 sowie den aktuellen Stand der Vermögensverteilung. Der Befund: Die verfügbaren Einkommen in der Bundesrepublik waren seit den 1970er Jahren nie so ungleich verteilt wie heute. Im Vergleich noch viel ausgeprägter ist die Konzentration der Vermögen.

    Der Untersuchung zufolge stieg die Ungleichheit der Einkommen insbesondere zu Beginn der 2000er Jahre stark an und erreichte 2005 einen ersten Höhepunkt. Danach blieb sie für mehrere Jahre stabil auf hohem Niveau. Seither sind deutlich mehr Menschen von Einkommensarmut betroffen als zu Beginn der 1990er Jahre. Waren 1991 etwas mehr als elf Prozent der Bevölkerung von dieser Form der Armut betroffen, so waren es 2015 16,8 Prozent. Spannagel/Tiefensee sprechen von einem »wellenförmigen« Anstieg: »Mitte der 1990er Jahre waren die Armutsquoten leicht rückläufig, um dann zwischen 1998 und 2009 deutlich von 10,6 Prozent auf 15,1 Prozent anzusteigen.« In den vergangenen Jahren hat die Einkommensungleichheit in einer Phase kapitalistischer Konjunktur und eines Höchststandes bei der Zahl der Erwerbstätigen erneut zugenommen. Ablesen lässt sich das am sogenannten Gini-Koeffizienten. Die statistische Zahl ist ein gängiges Maß für die Ermittlung von materieller Ungleichverteilung. Bei einem Gini-Wert von »Null« würden alle Personen in einer Gesellschaft über gleich viel Einkommen und/oder Vermögen verfügen, bei einem Wert von »Eins« würde eine Person alles besitzen und alle anderen nichts. In der Bundesrepublik stieg der Gini-Wert für verfügbare Einkommen zwischen 1991 und 2015 von 0,25 auf 0,29.

    junge Welt

  • Irie Zen 8th Nov 2018