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Commons und Globale Dörfer

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Am 15. März 2013 veranstalteten wir im Großen Saal des Amerlinghauses einen Diskussionsabend zum Thema „Commons und Globale Dörfer: Visionen für das gute Leben nach dem Kapitalismus“ mit Brigitte Kratzwald und Franz Nahrada.

Zunächst stellte Brigitte Kratzwald das Konzept der Commons [1] vor. Commons sind Arrangements zur Herstellung und Erhaltung gemeinsam genutzter Ressourcen. Für diese Arrangements gelten folgende Bedingungen:



  • Die Gruppe der Nutzer_innen muss exakt definiert sein.

  • Die Nutzung selbst muss geregelt sein um die Nachhaltigkeit der Ressource zu gewährleisten.

  • Für Regelverstöße muss es (nicht existenzbedrohende) Sanktionen geben.

  • Die Regeln müssen allgemein (von Staat, Unternehmen, usw.) anerkannt sein.

  • Die Ressourcen unterliegen nicht dem Markt, sind also von Kauf und Verkauf ausgeschlossen.


Hinzugefügt wurde, dass die Nutzer_innen einer Ressource gleichberechtigt über die Regeln zur Nutzung bestimmen. Weiters wurden in Anlehnung an Elinor Ostrom acht Prinzipien vorgestellt welche für die Entfaltung dahingehender Arrangements dienlich seien [2]. Als Gründe dafür warum diese Art von Arrangements zu bevorzugen sei wurden die Defizite momentan vorhandener, kapitalistischer Arrangements genannt (Marktversagen wie Informationsasymmetrie, externe Effekte, Monopole usw.).

Hervorgehoben wurde, dass die konkreten Regeln für diese Arrangements im Hinblick auf obige Bedingungen für unterschiedliche Ressourcen auch unterschiedlich ausfallen können. Weiters sollen Commons parallel zu aktuell gegebenen kapitalistischen Arrangements existieren können.

Anschließend stellte Franz Nahrada das Konzept der Globalen Dörfer [3] vor. Unter Globalen Dörfern werden zunächst kleine geographisch abgegrenzte Siedlungen verstanden. Ziel dabei ist vorhandene Probleme möglichst auf lokaler Ebene zu lösen um damit Selbstbestimmung und Nachhaltigkeit zu fördern. Als Gründe [4] für diese kleinen Siedlungen wurden folgende genannt.



  • Echte Partizipation sei, im Hinblick auf kollektive Selbstbestimmung sowie Nutzung und Erhalt von Ressourcen, nur in überschaubaren Gemeinschaften möglich.

  • Weiters seien kleinere Siedlungen ökologisch verträglicher sowie für den Menschen gesünder. 

  • Selbstversorgung und Eigenproduktion würden den globalen Kampf um Ressourcen verhindern und seien damit dem Frieden dienlich.

  • Technologischer Fortschritt ermögliche es Wissen und Produktion zu dezentralisieren.

  • Kleinere Siedlungen seien für den Ausdruck persönlicher Individualität, kultureller Diversität sowie menschlicher Selbstentfaltung und Selbstfindung hilfreicher und würden Individuen aus der Isolation befreien um diesen einen kreativen Beitrag zur Gesellschaft zu ermöglichen.


Im Anschluss an die Vorstellung der beiden Konzepte kam es zur Diskussion mit den rund 40 Teilnehmer_innen. Der Abend wurde mit einem veganen Buffet abgeschlossen.

Vielen Dank an unsere beiden Vortragenden sowie allen Teilnehmer_innen für die rege Partizipation!

[1] http://blog.commons.at/commons/
[2] http://kratzwald.wordpress.com/2012/07/16/wie-sich-commons-entfalten-konnen/
[3] http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi?GlobaleD%F6rfer
[4] http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi?GlobaleD%F6rfer/Gr%FCndeF%FCrGlobaleD%F6rfer

Discussion 2 Comments

  • G. Svoboda 3rd Apr 2013

    die aussage dass partizipation nur in überschaubaren gruppen möglich ist hoff ich und glaub ich ja nicht. wär auch schwierig bei themen eine demokratische entscheidng zu treffen, die über den lokalen kontext hinausgehen.

  • Johannes 4th Apr 2013

    Dem schließe ich mich an. Konkret heißt es dort «Echte Partizipation lässt sich nur in überschaubaren Gemeinschaften leben». Unter Partizipation wird dabei die «Beteiligung von Bürgern an Verwaltung und Entscheidungsfindung» verstanden. Eine «Gemeinschaft» wird als lediglich ein Teil der Gesellschaft verstanden. D.h. es wird behauptet, dass die Beteiligung von Bürgern an Verwaltung und Entscheidungsfindung nur in Teilen der Gesellschaft möglich ist. Für diese Behauptung erscheint mir eine gute Begründung notwendig. Nicht zuletzt im Hinblick auf moderne Kommunikationswege erkenne ich kein prinzipielles Problem dabei, dass sich Menschen an Verwaltung und Entscheidungsfindung bezüglich Angelegenheiten die alle Menschen betreffen beteiligen.