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Offener Brief

Wir sind Mitglieder des so genannten vorläufigen, beratenden Ausschusses der Internationalen Organisation für eine partizipatorische Gesellschaft – oder kurz IOPS.

IOPS ist momentan eine vorläufige Vereinigung in Erwartung einer zukünftigen Gründungsversammlung. IOPS wurde erst vor ein paar Monaten ins Leben gerufen und hat bereits über 2.500 Mitglieder aus 85 Ländern sowie eine Internetseite in zehn Sprachen, obwohl sie kaum öffentlich bekannt ist. IOPS baut derzeit Ortsgruppen auf, die sich zu nationalen Gruppen vereinen werden, die wiederum eine internationale Organisation bilden.

Die Zielsetzungen von IOPS sind aus einem langen Prozess der Diskussion und Debatte hervorgegangen. Wir glauben, sie stimmen eng mit den am weitesten verbreiteten, fortschrittlichsten, und allgemein zugänglichen politischen Überzeugungen überein, auf denen eine Organisation für das Gewinnen einer besseren Welt aufbauen kann.

Wir hoffen auch, und glauben sogar, dass Du, wenn Du die Zielsetzungen von IOPS liest und überdenkst, wahrscheinlich feststellen wirst, dass sie zu Deinen Interessen und Wünschen passen, und dass sie Anlass zu großer Hoffnung geben, dass IOPS in den kommenden Jahren eine sehr wichtige Organisation werden kann.

Wenn wir die Zielsetzungen von IOPS zusammenfassen müssten, würden wir anmerken, dass sie folgende Aspekte betonen:

  • IOPS konzentriert sich auf Ziele in den Bereichen Kultur, Geschlechter- und Verwandtschaftsverhältnisse, Politik, Wirtschaft, internationale Beziehungen und Ökologie, ohne einem dieser Punkte gegenüber dem Rest Vorrang einzuräumen.
  • IOPS befürwortet und verfeinert wesentliche Aspekte einer Vision für eine nachhaltige und friedliche Welt ohne Sexismus, Homophobie, Rassismus, Klassendiskriminierung und Autoritarismus, aber mit Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Vielfalt und, vor allem, Selbstverwaltung für Alle.

IOPS betont in Bezug auf Struktur und Programm:

  • dass die Voraussetzungen für eine bessere Zukunft bereits heute geschaffen werden sollen.
  • sofortige Vorteile für benachteiligte Gruppen auf eine Weise gewonnen werden sollen, dass sie dazu beitragen, auch die langfristigen Ziele zu erreichen.
  • die Organisation und Bewegung sich so entwickeln soll, dass sich die Mitglieder umeinander kümmern und füreinander sorgen.
  • Konstruktiver Dissens und Vielfalt basierend auf den Zielsetzungen innerhalb der Organisation und der Bewegung begrüßt und gefördert werden sollen.

Wir denken, dass Hunderttausende Menschen, in der Tat, Millionen Menschen, wenn sie die Zielsetzungen lesen, überwiegend mit ihnen einverstanden sein werden. Wir hoffen, dass Du, wenn Du Dir die Zielsetzungen ansiehst und auch so denkst (und fühlst), beitreten wirst und Dich dafür einsetzt, dass auch andere beitreten. Wenn Du stattdessen Probleme mit den Zielsetzungen von IOPS hast, hoffen wir, dass Du Deine Bedenken bekannt machen wirst, so dass sich eine produktive Diskussion ergeben kann.

Andererseits verstehen wir auch, dass Übereinstimmung mit den Zielsetzungen von IOPS nicht alleine diese Hunderttausend oder sogar Millionen Menschen veranlassen wird, IOPS beizutreten. Es gibt zahlreiche Gründe, warum eine Person im Augenblick noch nicht beitreten möchte, obwohl sie die Zielsetzungen von IOPS unterstützt und vielleicht sogar hofft, dass IOPS wächst und an der Basis, in jeder Nachbarschaft, an jedem Arbeitsplatz und in jeder sozialen Bewegung stark und erfolgreich wird. Auf der Internetseite von IOPS wird auch versucht, die Hindernisse in Frage- und Antwortform zusammenzufassen und zu behandeln, die Leute davon abhalten könnten, IOPS beizutreten, obwohl sie die Zielsetzungen von IOPS mögen.

Im Wesentlichen argumentieren wir: Wann, wenn nicht jetzt? Wer, wenn nicht wir?

Als Noam Chomsky gebeten wurde, eine kurze Zusammenfassung über seine Beteiligung für die Internetseite von IOPS zu formulieren, schrieb er:

„Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht Aufrufe – oft Klagen – von Menschen hören, die zutiefst beunruhigt sind über die Mühsal der menschlichen Existenz und das Schicksal der Welt, die verzweifelt bemüht sind, etwas gegen das zu tun, was sie zu Recht als unerträglich und bedrohlich empfinden, die sich hilflos fühlen, weil jede einzelne Anstrengung, ganz egal wie engagiert, nur an einem Berg zu kratzen scheint indem Krebs mit einem Wundpflaster behandelt wird ohne jemals zu den Quellen unnötigen Leids und zu Bedrohungen durch viel Schlimmeres vorzustoßen.

Es ist eine verständliche Reaktion, die allzu oft zu Verzweiflung und Resignation führt. Wir alle kennen die einzige Antwort, die sich aus Erfahrung und aus der Geschichte sowie durch einfaches Nachdenken über die Realitäten der Welt ergibt: Vereinen wir uns, um langfristige Visionen und Ziele zu formulieren und weiter zu entwickeln, einhergehend mit direktem Engagement und Aktivismus, die von diesen Richtlinien geprägt sind und zur Vertiefung unseres Verständnisses dessen beitragen, was wir zu erreichen hoffen…

IOPS trifft die richtigen Töne, und wenn die dadurch eröffneten Möglichkeiten mit ausreichend Energie und Partizipation, Gewissenhaftigkeit, Genügsamkeit und Begehren verfolgt werden, könnte uns das einen großen Schritt weiterbringen, in Richtung einer Vereinigung der vielen Initiativen hier und auf der ganzen Welt und in Richtung einer Verbindung von diesen zu einer wirkungsvollen und effektiven Kraft.“

Und wie Cynthia Peters schrieb:

„Du hörst es die ganze Zeit. Es gibt immer noch eine weitere dringende Krise. Sie kommen nicht nur in einem stetigen Strom, sie scheinen sich geometrisch zu vermehren. Mehr drakonische Politik mit lebensbedrohlichen Konsequenzen, mehr Kontrolle durch Konzerne , mehr Gefängnisse, mehr Bomben, mehr Beerdigungen. Wenn wir so viele akute Brände in unserer alltäglichen Organisationsarbeit zu löschen haben, wie können wir dann Zeit finden, uns mit größeren Themen auseinanderzusetzen, wie zum Beispiel mit langfristiger Strategie, Vision und Aufbau einer Bewegung?

IOPS schafft für uns den Raum, wesentliche Arbeiten zu erledigen, nämlich eine Bewegung aufzubauen und Visionen zu entwickeln, sowie dann nach einer besseren Welt zu streben. Ohne diese Elemente werden wir weiterhin in Isolation arbeiten. Durch die Belebung und Bereicherung von IOPS mit Deiner Anwesenheit wirst Du sowohl Solidarität geben als auch Solidarität von so vielen anderen empfangen, von Leuten aus der ganzen Welt, die in der gleichen Situation sind, die bis zum Hals in täglichen Kämpfen stecken, und gleichzeitig ihre Kreativität und ihre Energie in Richtung revolutionärer, gesellschaftlicher Veränderung lenken. Das ist nicht nur gute Gesellschaft. Es ist der solide Beginn für die Möglichkeit einer anderen Welt.“

Wir hoffen, dass Du Dich uns anschließt, bei dem Versuch sie wahr zu machen.

Unterzeichner_innen:

Ezequiel Adamovsky - Argentinien
M Adams - USA
Michael Albert - USA
Jessica Azulay - USA
Elaine Bernard - USA
Patrick Bond - Südafrika
Noam Chomsky - USA
Jason Chrysostomou - Großbritannien
John Cronan - USA
Ben Dangl - USA
Denitsa Dimitrova - Großbritannien/Bulgarien
Mark Evans - Großbritannien
Ann Ferguson - USA
Eva Golinger - Venezuela
Andrej Grubacic - Balkan/USA
Pervez Hoodbhoy - Pakistan
Antti Jauhiainen - Finnland
Ria Julien - USA/Trinidad
Dimitris Konstanstinou - Griechenland
Pat Korte - USA
Yohan Le Guin - Wales
Mandisi Majavu - Südafrika
Yotam Marom - USA
David Marty - Spanien
Preeti Paul - Großbritannien/Indien
Cynthia Peters - USA
John Pilger - Großbritannien/Australien
Justin Podur - Kanada
Nikos Raptis - Griechenland
Paulo Rodriguez - Belgien
Charlotte Sáenz - Mexiko/USA
Anders Sandstrom - Schweden
Boaventura de Sousa Santos - Portugal
Lydia Sargent - USA
Stephen Shalom - USA
Vandana Shiva - Indien
Chris Spannos - USA
Verena Stresing - Frankreich/Deutschland
Elliot Tarver - USA
Fernando Ramn Vegas Torrealba - Venezuela
Taylon Tosun - Türkei
Marie Trigona - USA
Greg Wilpert - Deutschland/Venezuela/USA
Florian Zollman - Deutschland

http://www.iopsociety.org/blog/open-letter-about-iops